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Marielle - Prolog (2)

Dieser Eintrag stammt von Corinne Althaus Am 12.5.2007 @ 12:00 In Prolog | 1 Kommentar

Als Marielle erwachte, dröhnte der Herzschlag in ihren Ohren und ihr Atem ging stoßweise. Sofort fühlte sich sich von einer grauenvollen Angst gepackt. In wachsender Panik schlug sie die Augen auf. Ihr Blick flog bis in die hintersten Winkel des kleinen Raumes. Victor von Doussy, lauerte er noch in ihrer Nähe? Wartete er darauf, dass sie erwachte, damit er ihr erneut Gewalt antun konnte? 

Die schweren Samtvorhänge vor den Fensteröffnungen dämpften das Licht der Morgendämmerung, die hereindrang. Es genügte um zu erkennen, dass sich niemand außer ihr im Zimmer befand. Erleichtert seufzte sie auf. Erst jetzt spürte sie, dass sie fror. Alles tat ihr weh. Der Kopf, die Glieder, die Stelle zwischen ihren Beinen. Ihr Mund fühlte sich trocken an. Sie spürte einen schalen Geschmack auf der Zunge. Übelkeit stieg in ihr hoch und sie presste sich die Hand vor den Mund, für den Fall, dass sie sich übergeben musste. Mühsam beherrscht zwang sie sich dazu, ruhig und langsam zu atmen. Dennoch vergingen ein paar Minuten, bis sie sich beruhigt hatte und sich aufsetzen konnte. Dabei nahm sie den fremden Geruch wahr, der in der Luft hin. Neue Kälteschauer schüttelten sie. Obwohl sie sich dagegen wehrte, setzte ganz allmählich die Erinnerung ein. Gestern war der Tag ihrer Vermählung mit Graf Victor von Doussy gewesen, mit einem Greis, der mehr als dreißig Jahre älter und mindestens doppelt so schwer war wie sie. Niemals hätte sie ihn geheiratet, wenn sie von ihrem Vater und Ghislaine, seinem Weib, nicht dazu gezwungen worden wäre. 

Marielle erhob sich schwankend. Die Zähne schlugen ihr vor Kälte aufeinander. Im Widerspruch dazu glühte ihr Gesicht vor Hitze. Marielle sehnte sich nach Linderung und schlug den Weg zum Fenster ein. Sie ging nicht. Sie schlich. Vorsichtig setzte sie einen Fuß nach dem anderen, denn zwischen ihren Beinen schien eine klaffende Wunde zu brennen. Marielle fühlte sich krank und elend und als sie das Fenster endlich erreicht hatte, lief ihr der Schweiß in einem Rinnsal zwischen den Brüsten den Körper hinab. Aufschluchzend streckte sie ihr Gesicht dem Wind entgegen, der eisig ins Zimmer herein blies. Lange harrte sie in dieser Haltung aus. Erst als draußen die Wachen vor dem Burgtor abgelöst wurden und die ersten Knechte und Mägde im Hof erschienen, um mit ihrem Tagewerk zu beginnen, zog sie sich ins Innere zurück. Niemand durfte ihr ansehen, wie elend und gedemütigt sie sich fühlte. Zögernd wandte sich Marielle wieder ihrem Bett zu, wo sich dunkle Flecken auf dem Laken abzeichneten. Blut. Sekundenlang starrte sie darauf. Als der Vorhang, der die kleine Kammer neben Marielles Raum abtrennte, beiseite geschoben wurde, fuhr sie mit einem erstickten Schrei erschrocken zurück.        


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