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Archive für 18.5.2007
1. Kapitel (2)
18.5.2007 by Corinne Althaus.
In sein Schicksal ergeben erwiderte Stephan den Blick seiner Frau und als er sie aufmerksam wahrnahm, lief ein Lächeln über sein Gesicht. Mit ihrem tiefbraunen Haar und den kohlschwarzen Augen, die in ihrem blassen Gesicht brannten, war sie nicht nur eine viel bewunderte Schönheit. Jeden Tag aufs neue freute er sich auch über ihre Begabung, einen großen Haushalt wie den ihren zu führen. Als seine Gattin war Ghislaine die Dame der Burg. Sie stand ihm zur Seite und beaufsichtigte den inneren Bereich des Hauses. Sie bewachte das Geschmeide, die Kleidung und die Nahrungsvorräte. An ihrem Gürtel hingen die Schlüssel für die Truhen und die gesamte weibliche Bevölkerung stand unter ihrer Herrschaft. Ghislaine kommandierte eine ganze Gruppe von Mägden herum und galt weithin als gnadenlos, was Stephan jedoch als böswilliges Geschwätz abtat. Er sah es als Ghislaines gutes Recht an, ihre Mägde persönlich ganz jung in den Dörfern der Lehnsherrschaft unter den Kindern der Bauern auszuwählen. Und ihm kamen auch keine Bedenken, wenn sie die Mädchen selbst bei kleinen Vergehen aus Wut fast bis zur Besinnungslosigkeit prügelte. Allerdings hatte vor wenigen Monaten ein Todesfall nach einer derartigen Bestrafung für beträchtliche Unruhe gesorgt. Danach hatte er seine Frau gebeten, ihren Jähzorn zu zügeln.
In der Tat verfügte Ghislaine über viele Vorzüge. Nur ihrer Pflicht, ihm einen männlichen Erben zu schenken, kam sie nicht nach. Kaum zeigten sich bei ihr die ersten Anzeichen einer Schwangerschaft, stieß ihr Körper die keimende Leibesfrucht schon wieder ab. Jeder andere Lehnsherr hätte sich an seiner Stelle längst von Ghislaine getrennt, um sein Erbe zu sichern. Aber Stephan, im Streitfall ein kampferprobter Recke, war zu schwach dazu. Denn Ghislaine verstand es, ihm in geheimen Stunden höchste Wolllust zu verschaffen. Er war ihr hörig. Doch niemals würde er es zugeben. »Stephan, hörst du mir zu?« Der ärgerliche Unterton in Ghislaines Stimme war nicht zu überhören. Schuldbewusst riss Stephan sich zusammen.
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