Archive for May, 2008

Eine neue Dimension …

Saturday, May 24th, 2008

Sch…ße, als ich diesen Blog begann, habe ich es in der Absicht getan, mir beim Schreiben über die Schulter schauen zu lassen. Ob ich mir da wohl ein Eigentor geschossen habe? Ihr erlebt nämlich nun mit, wie ich mich an meinem Stoff abarbeite, ihn drehe und wende, ihn knete und zurechtrücke – solange, bis genau das herauskommt, was schon so lange in meinem Kopf steckt.

Täglich erfinde ich neue tausend Gründe, die mich am Schreiben hindern. Immer ist anderes wichtiger. Ich spüre, dass ich nicht ehrlich zu mir bin. In Wahrheit suche ich nach einem neuen Zugang zu meinem Stoff, weg von 08/15- Figuren und – geschichten.

Zu diesem Roman existieren bereits ein ausführliches Exposee und eine erste Fassung dieses Romans zu zwei Dritteln auf dem Papier. Dazu noch die ersten Kapitel, die ich bereits in diesem Blog veröffentlicht habe. Im Grunde könnte ich also nun alles einfach so runter schreiben.

Aber so einfach möchte ich es mir nicht machen, ich weiß, dass ich einen Schritt weitergehen muss und dass ich für diese Geschichte nicht nur meinen Kopf, sondern auch mein Herz anzapfen muss. Nur dann werde ich der Geschichte meinen ganz eigenen Stempel aufdrücken können und nicht die 1001. Fassung der bereits bekannten Mittelalter- und Kreuzzugromane schreiben müssen.

Ehrlich gesagt, habe ich ein bisschen Angst davor. Wer sein Herz öffnet, riskiert es, dass alte Narben wieder aufbrechen.

Corinne

Ist das Mittelalter als Lesestoff out?

Thursday, May 15th, 2008

Dieses Mal ist es nicht das ohne jeden Zweifel schöne Wetter, das mich vom Weiterschreiben abhält. Andere Arbeiten, die mir das tägliche Brot sichern, haben derzeit Vorrang. Auch Schriftsteller müssen essen, Strom und Miete bezahlen.

Trotzdem kehren die Gedanken immer wieder zu “Marielle” zurück. Irgendwo habe ich gelesen, dass das Mittelalter bei Romanen “out” sei. Das Interesse der Leser kühlt ab. Eine gewisse Übersättigung sei eingetreten. Ob Hebamme, Pilgerin, Henkerstochter – wer kann die vielen Titel noch unterscheiden?

Natürlich mache ich mir Gedanken, wenn ich so etwas höre. Bin ich mit meiner Geschichte von Marielle überhaupt noch zeitgemäß?

Ehrlich gesagt – das ist mir völlig schnuppe. In mir existiert diese Geschichte und die muss raus, und zwar so gut wie irgend möglich. Und egal, wie lange es dauert. Auf andere mag diese Haltung möglcherweise etwas trotzig wirken. Aber das ist es nicht, was mich treibt.

Eine unerzählte Geschichte ist für einen Schriftsteller ein bisschen wie Zahnschmerzen – eine Zeitlang lässt sie sich verdrängen, doch irgendwann muss er das Problem bei der Wurzel packen. Raus damit! :-))

In diesem Sinne, Corinne

Marielle – die weibliche Hauptfigur (1)

Saturday, May 10th, 2008

Nachdem ich im vorherigen Beitrag kurz erläutert habe, nach welchem Schema ich die Namen an meine Romanfiguren vergebe, möchte ich auf den Namen meiner weiblichen Hauptfigur eingehen.

Bei der Namensgebung suchte ich nach einem Vornamen, der auch schon im französichen Mittelalter um 1100 gebräuchlich war. Ich stieß dabei auf den Namen “Marielle”.

Es gibt unterschiedliche Aussagen über die Bedeutung und Herkunft des Namens, die nicht zweifelsfrei geklärt sind. Am wahrscheinlichsten ist die hebräische oder ägyptische Herkunft. “Maria” und “Mirjam” kommen als Urform in Frage.

So könnte “Marielle” zum Beispiel mit “kleine Marie” übersetzt werden, wobei der Name “Maria” traditionsgemäß als Symbol für reine, tiefe Liebe steht.
Im Zusammenhang mit meiner Romanfigur finde ich diese Deutung sehr hilfreich.

“Mirjam” stammt aus dem aramäischen und steht für Bitterkeit, die Verbitterung. Im Laufe des Romans wird sich unsere Romanfigur mehr als einmal in Ereignissen beweisen müssen, auf die sie mit Verbitterung reagieren könnte.

Und dann gibt es mit “mry” noch die ägyptische Version. Danach steht “mry” für der/die Geliebte im Sinne von “die/der welche(r) geliebt wird”.

Mit anderen Worten: Der Name “Marielle” birgt in sich bereits so viele Facetten der Geschichte, die ich erzählen möchte, dass er für die weibliche Hauptfigur geradezu perfekt ist.

Über die Wahl der Namen (1)

Saturday, May 10th, 2008

Wer eine Geschichte entwickelt und schreibt, steht früher oder später auch vor der Frage: Welche Namen sollen meine Hauptpersonen tragen? Und die Antwort darauf ist wichtiger als es auf den ersten Blick scheint.

Namen können auf Anhieb Sympathien wecken, aber auch umgekehrt wird ein Schuh daraus.

Ah! Oh! sind Laute der Bewunderung, des positiven Staunens. Beim Sprechen machen wir Mund und Augen weit auf.
Entsprechend sind Vornamen, in denen die Buchstaben “a” und “o” dominieren, automatisch positiv besetzt.
Gute Beispiele sind die Vornamen Anna, Maria, Lena, Andreas, Malte, Daniel, die bei der Namensgebung ganz oben stehen.

Iiiiiih! Eäääh! Diese Laute stehen für Ekel, Abneigung, Ablehnung, Unbehagen. Seht euch euer Gesicht an, wenn ihr diese Laute aussprecht. Der Mund verzieht sich, die Augen werden schmal, auf der Stirn und zwischen den Augenbrauen erscheinen Falten.
Vornamen, in denen der Vokal “i” dominiert, werden auf der Beliebtheitsskala selten einen der vordersten Ränge einnehmen: Iris, Ines, Inge. Bei den männlichen Vornamen müsste ich erst länger nachdenken, um fündig zu werden.
Das “E” nimmt in unserem Zusammenhang eine Art Zwischenposition ein. Elke, Eike, Erwin, Editha – das sind sicherlich sehr schöne Namen, reissen schreibtechnisch aber auch nicht vom Hocker, salopp formuliert.

Natürlich existieren nationale Unterschiede, anderswo auf der Welt sind die Emotionen der Vokale vielleicht umgekehrt besetzt. Aber da ich nicht anderswo schreibe, sondern mitten in Westeuropa, richte ich mich bei der Namensgebung für meine Hauptfiguren im Allgemeinen nach diesem Schema:

Meine Hauptfiguren erhalten Vornamen, in denen die Buchstaben “a” oder “o” dominieren und zwar in der ersten Silbe.

Nicht unsympathische Nebenfiguren können Vornamen tragen, in denen das “e” dominiert.

Die Widersacher meiner Hauptfiguren oder andere Unsympathen tragen Vornamen mit “i” in der ersten Silbe.

Achtung: Ich betone ausdrücklich, dass ich hier ausschließlich über die Auswahl von Vornamen bei Fiction-Figuren spreche. Im wahren Leben sind Menschen, in deren Vornamen “i” und “e” eine wesentliche Rolle spielen, bestimmt ausgesprochen liebenswerte Menschen ;-))

1. Kapitel (1, neu)

Friday, May 9th, 2008

Frankenland, Sommer 1103

1. Kapitel

Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter – die Jahreszeiten zogen ins Land, eins ums andere Mal. Das Kind Marielle wuchs zu einer jungen Frau heran. Doch noch immer wohnte sie auf der väterlichen Burg in der Kemenate, in der sie geboren worden war, anstatt wie andere Frauen ihres Alters längst bei ihrem Ehemann zu leben.

»So kann es nicht weitergehen, Stephan.« Ohne Umschweife brachte Ghislaine das Gespräch auf den Kern ihres Anliegens. Als sie den bekümmerten Blick ihres Gatten auffing, hielt sie diesen unerbittlich mit den Augen fest. »Diesmal wirst du mir nicht ausweichen, wenn es um deine Tochter geht.«

»Niemand weicht dir aus.« Matt fuhr sich Stephan mit der Hand über das Gesicht. Diese entsetzlichen Leibschmerzen. Ein winziger Kobold schien sich in seinen Eingeweiden eingenistet zu haben, um dort das Innerste nach außen zu kehren. Stephan konnte sich nicht mehr erinnern, wann es damit angefangen hatte. Zermürbt war er bereit zu glauben, dass die Schmerzen immer schon da gewesen waren. Mal spürte er sie stärker, mal spürte er sie schwächer. Vergessen konnte er sie nie.
Kein Kräutertrank half auf Dauer. Ein Aderlass brachte nur vorübergehend Erfolg. Die ständige Qual zerrte an seinen Kräften, machte ihn müde und unkonzentriert. Lange halte ich das nicht mehr aus. Am Morgen, gleich nach dem Aufstehen, war ihm der Gedanke zum ersten Mal durch den Kopf geschossen. Seitdem kämpfte er mit seiner Verunsicherung. Früher, als er noch für seinen König in die Schlacht gezogen war, ritt der Tod stets wie ein getreuer Freund an seiner Seite. Damals hatte ihn das Schicksal verschont. Wozu? Damit er nun wie eine alte Frau in seinem Bett sterben musste? Stephan schüttelte sich angewidert bei dem Gedanken.

»Niemand weicht dir aus«, wiederholte er wie zu seiner eigenen Bekräftigung, aber so leise, dass Ghislaine ihn kaum verstehen konnte. »Sag, was du auf dem Herzen hast, aber beeil dich.«

Ghislaine sah ihn aus schmalen Augen an. »Du siehst blass aus.“ Sie zückte ihr Taschentuch, trat auf ihn zu und begann, winzige Schweißperlen von seiner Stirn zu tupfen. »Ich werde dir einen Becher mit Milch bringen lassen, die wird dich stärken.«

Gerührt über ihre Besorgnis spielte ein warmes Lächeln um Stephans Lippen. Er wusste, dass unter den Lehnsleuten im Land über seine Frau schlecht geredet wurde. Als kaltherzig und grausam war sie verschrien. Die Bauern nahmen es ihr übel, dass Ghislaine persönlich die schönsten Töchter aus ihren Familien riss, um sie auf der Burg als Mägde zu beschäftigen. Für kargen Lohn mussten diese bis tief in die Nacht hinein schuften und wehe, wenn sie dabei das Missfallen ihrer Herrin erregten. Dann kam es vor, dass Ghislaine eigenhändig die Peitsche gegen die Schuldige erhob.
Stephan konnte im Verhalten seiner Frau nichts Verwerfliches erkennen. Letzten Endes war Ghislaine als seine Gattin die Dame der Burg. Große Verantwortung lastete auf ihren Schultern. Sie stand ihm zur Seite und beaufsichtigte den inneren Bereich des Hauses. Sie bewachte das Geschmeide, die Kleidung und die Nahrungsvorräte. An ihrem Gürtel hingen die Schlüssel für die Truhen und die gesamte weibliche Bevölkerung stand unter ihrer Herrschaft. Ihrer Tüchtigkeit zollte Stephan seinen Respekt. Noch mehr aber schätzte er die liebevolle Fürsorge, mit der Ghislaine ihn umgab – und ihre Liebeskünste, mit denen sie ihn des Nachts verwöhnte.
Ein ungeplanter Seufzer entwich seiner Brust.