Archive for June, 2008

Eins fügt sich zum anderen

Monday, June 30th, 2008

Der Postbote brachte heute ein Paket von Amazon, unter anderem enthielt es den “Atlas des Mittelalters”, ein wichtiges Recherchemittel für “Marielle”. Zeit zum Blättern hatte ich leider bis jetzt noch nicht. Seit gestern bin ich mit Wäsche waschen und Koffer packen beschäftigt, der Urlaub steht unmittelbar vor der Tür.

Ich freue mich darauf, ein paar Tage ausspannen zu können. Mein erstes Jahreshalbjahr verlief aufregend, turbulent und ausgesprochen arbeitsintensiv. Neue berufliche Herausforderungen mussten gemeistert werden und jetzt schon kann ich absehen, dass auch die zweite Jahreshälfte noch einige berufliche Überraschungen für mich bereit halten wird. Ich kann ein wenig Faulsein wirklich gut gebrauchen.

Trotzdem werde ich auch am Urlaubsort in Gedanken bei unserer Geschichte sein. Im Reiseführer habe ich eine wundersame Legende entdeckt: “Mehr als 1 Mio. Menschen pilgern alljährlich … zu dem heiligen Haus, in dem der Legende nach Maria geboren wurde und Jesus nach der Rückkehr aus Ägypten gelebt haben soll. Als Nazareth 1294 in islamische Hände fiel, so wird erzählt, hatten vier Engel das Haus an … getragen.”

Es gibt keine Zufälle. Ich werde mir diesen Ort ansehen. Vielleicht finde ich dort ein ein weiteres Puzzleteil von “Marielles Geschichte.”

O weh, ich bin so müde, dass ich gleich vom Stuhl falle. Ich muss ins Bett. Gute Nacht und süße Träume!

Über die Macht der Gefühle

Friday, June 27th, 2008

Wer hier schon etwas länger mitliest, wird sich vielleicht darüber wundern, wie viel Gedanken ich mir derzeit über die Gefühle, von denen wir beherrscht werden, und über den Sinn eines Menschenlebens mache.
Vielleicht habt ihr es noch nicht bemerkt, aber ihr begleitet mich bereits auf einer aufregenden Entdeckungsfahrt. Es geht mir dabei nicht um die Handlung des Romans: Was macht wer wann mit wem? Vielmehr versuche ich mich den Charakteren unserer Hauptfiguren zu nähern. Warum handeln Menschen wie sie handeln? Was macht Menschen zu dem was sie sind? Was unterscheidet den einen Menschen von einem anderen?

Nehmen wir die klassische Fahrstuhlsituation: 10 Personen befinden sich in einem Aufzug. Der Aufzug bleibt stecken, 5 Minuten, 10 Minuten, eine halbe Ewigkeit. Am Anfang bemüht sich jeder um Haltung und Vernunft. Der Notruf funktioniert nicht. Niemand scheint von dem Vorfall Notiz zu nehmen. Plötzlich ein Ruck. Panik macht sich breit. Erste Schreie. Schweiß bricht aus. Die Gefangenen im Fahrstuhl reagieren unterschiedlich auf die Situation. Die Masken fallen ab. Nach und nach offenbart jeder seinen wahren Charakter.

Der Charakter eines Menschen bestimmt seine Geschichte, er ist verantwortlich für die Entscheidungen, die ein Mensch trifft, und für seine Handlungen.

Wer gelernt hat, Verantwortung zu übernehmen, wird schwierigen Situationen nicht ausweichen. Ein Schwächling wird Menschen, die in Not sind, im Stich lassen. Ein großherziger Mensch wird dem Bettler am Wegesrand sein letztes Stück Brot geben, ein engherziger Mensch wird vorbeigehen und über die Belästigung schimpfen, ein innerlich wütender Mensch wird in seinem Zorn vielleicht sogar mit einem Fußtritt reagieren.

Menschen verfolgen ihre Ziele auf unterschiedliche Weise – je nach Charakter. Die einen legen die Hände in den Schoß und hoffen auf ihr Glück. Andere arbeiten hart und zielstrebig, bis sie ihren Traum erreicht haben. Und die Typen, die für ihre Ziele über Leichen gehen, eignen sich in einem Roman ganz wunderbar als Bösewichter.

Freude und Trauer, Liebe und Hass, Mitgefühl, Eifersucht, Neid – dies und noch mehr sind Empfindungen, die unser Handeln bestimmen. Bevor ich mit dem Schreiben beginne, muss ich meine Figuren nackt gesehen haben, entblößt bis auf die Seele.

Für mich ist diese Phase schwierig, weil ich mich tief in meine Figuren hineinversenken muss, in die guten wie die bösen.

Kisses, für alle, die mich auf meinem Weg begleiten :-).

Sinn

Wednesday, June 25th, 2008

Ich schlafe zu wenig, vor Mitternacht bin ich selten im Bett. Die unterschiedlichen Talente, die mir in die Wiege gelegt worden sind, verlangen danach, auch ausgelebt zu werden. Für Langeweile ist kein Platz in meinem Leben. Stattdessen treibt mich die Erkenntnis, dass jedes Leben endlich ist. Wie lebe ich mein Leben, ohne es zu vergeuden? Wie gebe ich meinem Leben Sinn?

Gestern vor dem Einschlafen bin ich auf einen kurzen Text gestoßen, der auf ganz wunderbare Weise zu meinem derzeitigen Seelenzustand passt. Er stammt von John Gardner.Ich habe ihn in dem Buch “Fish!” von Stephen C. Lundin, Harry Paul und John Christensen entdeckt und möchte ihn euch nicht vorenthalten (Zitat):

                                                Sinn

“Sinn ist nichts, über das man stolpert, so wie die Antwort auf ein Rätsel oder der Preis bei einer Schnitzeljagd. Sinn ist etwas, das man selbst im Zentrum seines Lebens aufbaut. Man erbaut es aus seiner Vergangenheit, aus seiner Zuneigung und Loyalität, aus den Erfahrungen der Menschheit, die man ererbt hat, aus seinen eigenen Gaben und seinem Verstand, aus all dem, woran man glaubt, aus den Dingen und Menschen, die man liebt, aus den Werten, für die man etwas aufzugeben bereit ist. Alle Zutaten sind vorhanden. Doch du bist der einzige Mensch, der sie zusammenfügen kann zu dem Muster, das dein Leben ist. Trage Sorge, dass es ein Leben ist, das Würde und Sinn für dich hat. Wenn das gelingt, dann fällt der Ausschlag des Pendels nach Erfolg oder Misserfolg kaum mehr ins Gewicht.
John Gardner”

Suchen und Sammeln

Tuesday, June 24th, 2008

Wir Schriftsteller und Autoren sind neugierige Menschen. Wir halten Ohren und Augen offen, hören zu, schauen hin. Wir sammeln Eindrücke: Stimmen, Gerüche, Blicke. Wir registrieren Ereignisse, recherchieren Hintergründe, versuchen, den Dingen auf den Grund zu gehen.
Doch alles Beobachten macht keinen Sinn, wenn wir nicht gleichzeitig unsere Sinne öffnen. Dann erst bemerken wir über einem strahlenden Lächeln die traurigen Augen. Dann erst erkennen wir hinter einem flotten Spruch das Wissen um die eigene Einsamkeit.

Wir erledigen Projekt für Projekt, sind froh, eins nach dem anderen abhaken zu können. Nicht immer nehmen wir scheinbar Nebensächliches wahr, was am Wegesrand liegt. Irgendwann wundern wir uns, warum es nicht mehr weitergeht, weshalb sich der gut ausgebaute und sichere Weg plötzlich verjüngt und im Nichts endet. Ärger, das Gefühl, vom Leben ungerecht behandelt zu werden, Mutlosigkeit, Trauer stellen sich ein.

Bis dann eines Tages aus heiterem Himmel unsere Aufmerksamkeit geweckt wird und wir vor neue Aufgaben und Herausforderungen gestellt werden. Plötzlich ergeben auch die Nebensächlichkeiten, die wir früher unbeachtet zurückgelassen haben, einen Sinn. Puzzleteile fügen sich zu unbekannten aufregenden Bildern zusammen und weisen uns den Weg. Das Herz schlägt vor Aufregung schneller, die schon fast erloschene Flamme der Kreativität gewinnt neue Kraft. Sie war nicht tot, sie hat sich nur ausgeruht. Hurra!

Die alte Freude am Geschichtenerzählen kehrt zu mir zurück und ich empfange sie mit offenen Armen. Noch bin ich nicht so weit, dass ich mit dem Schreiben beginnen kann.
Es ist die Zeit des Suchens und Sammelns.

Wie ein Rennpferd vor dem Start

Monday, June 23rd, 2008

War das ein gräusliches Gewitter gestern Abend? Ja, es war ein furchtbares Gewitter gestern Abend ;-).

Nach dieser kleinen Sprachübung muss ich euch gestehen, dass ich heute ziemlich müde bin. Wir hatten gestern dank der sinnflutartigen Niederschläge Wasser im Keller. In wenigen Minuten war der Fußboden überflutet, doch es hat Stunden gebraucht, bis wir mit Aufnehmer und Wischmop alles wieder draußen hatten. Zuerst sah es danach aus, als ob unser Regenrohr verstopft war – das wäre mit Sicherheit das kleinere Übel gewesen. Doch mehrere Rohr- und Installationsexperten haben uns heute bescheinigt, dass es sich wohl doch mehr um einen Wasserrohrschaden direkt vor unserer Haustür handelt. Umfangreiche Bauarbeiten werden erforderlich sein, nicht zu verwechseln mit den Kanalbauarbeiten, die heute ohnehin schon in unserer Straße begonnen haben. Unter meinen Füßen bebt der Boden. Die Gläser vibrieren im Regal. Meine Nerven vibrieren auch.
Zudem stehen die Ferien vor der Tür. Ich sammle Urlaubslektüre, möchte mich aber nur noch mit Texten beschäftigen, die mir als Recherche für meine spätere Arbeit nützlich sein werden. Ein dickes Heft und jede Menge Stifte liegen einpackbereit neben mir.
Es ist sagenhaft, aber seitdem ich mein ursprüngliches Exposee zurück in die Schublade gelegt habe, sprudeln neue Ideen und ich kann wieder aus dem Vollen schöpfen. Bloß keine gute Eingebung vergessen! Alles muss sofort notiert werden.
Es ist eine aufregende Zeit.