Motten in Frankreich um 1100 (2) - Der Bergfried

Auf dem höchsten Punkt der Motte erhob sich der sogenannte Bergfried. Dabei handelte es sich um einen schmalen, eckigen Turm, der in den meisten Fällen dreistöckig war. Die Innenfläche betrug selten mehr als zwanzig Quadratmeter. Unten im Erdgeschoss befand sich ein dunkler Raum. Dort wurden die Vorräte gelagert oder auch die Gefangenen festgehalten, sofern dies notwendig war.

Darüber befand sich der Hauptraum. Man betrat ihn durch eine kleine Tür, die meistens auch die einzige Öffnung darstellte. Man erreichte diesen Hauptraum nur über eine Leiter, die bei Gefahr eingezogen werden konnte. Daher war er auch der sicherste Raum im Bergfried. Burgherrn bewahrten hier ihre Schätze auf bzw. ihren Besitz, der für sie am Wertvollsten war.

Über dem Bergfried befand sich der Ausguck. Feinde konnte von diesem Standpunkt aus bereits sehr früh ausgemacht werden.

Da ein solcher Bergfried von den Ausmaßen her überschaubar war und zumeist aus Holz bestand, war es möglich, ihn mit der Hilfe vieler zupackender Hände in wenigen Tagen zu erbauen. Leider konnte ein solches Holzgebäude aber auch sehr schnell wieder abgebrannt werden. Feinde ließen sich eine solche Gelegenheit nur selten entgehen, wenn sie die Burg erst einmal erobert hatten.

Der Bergfried diente in Krisenzeiten als letzter Rückzugsort, er war kein Wohngebäude im klassischen Sinne. Doch er erfüllte eine andere wichtige Funktion: Dank seiner aufragenden Stellung symbolisierte er weithin die Macht des Burgherrn und sein Recht, über die sonstige Bevölkerung in der gesamten Gegend zu richten.