Frankreich, 1096

September 12th, 2008

Marielles Lachen perlte durch den frühen Morgen. Warnend legte ihr Paulette, die Freundin, den Finger auf den Mund.
»Nicht. Willst du, dass Sie uns hört?«

Marielles Augen verdunkelten sich. Sie überlegte. »Und wenn schon!«, stieß sie dann hervor und sofort hellte
sich ihre Miene wieder auf. »Was macht es noch aus?«
  Verschmitzt grinste sie Paulette von der Seite her an, bevor sie sich wegdrehte und leichtfüßig über das gemächlich dahin fließende Bächlein sprang. Ermunternd streckte sie Paulette die Hand hin, doch ihre Freundin zog es vor, allein über den schmalen Holzstieg zu balancieren, der hinüber führte.


Zappelig vor Aufregung schaffte Marielle es nicht, still zu stehen. Ausgelassen hüpfte sie von einem Fuß auf den anderen.
»In ein paar Stunden heirate ich Henri von Doussy. Er ist noch reicher und mächtiger als mein Vater. Und weißt du, was das bedeutet?«


Paulette warf einen nervösen Blick hinüber zu den grasenden Pferden. »Nicht so laut, Marielle, wenn du die Tiere aufschreckst, gibt es Ärger.«

»Aber verstehst du denn nicht? Wenn ich erst einmal verheiratet bin, dann gibt es nie wieder Ärger. Dann hat Sie mir nichts mehr zu sagen. Dann kann sie vor mir stehen und reden, bis ihr der Mund fusselig wird. Ich aber werde nur mein hochmütigstes Gesicht aufsetzen und sagen: Entfernt Euch aus meiner Nähe, ich kann Euren Anblick nicht länger ertragen, Frau Stiefmutter!«
Ein entzücktes Lachen platzte aus Marielle heraus. Sie konnte es bildhaft vor sich sehen, wie die stolze Ghislaine vor ihr, der kleinen Marielle, zurückweichen würde, bleich und gedemütigt. Nie wieder grundlose Strafpredigten, nie wieder herrische Anweisungen, denen Marielle Folge leisten musste. Ein unerwartet heftiges Gefühl drohte dem Mädchen das Herz zu zersprengen. Fühlte sich so die Freiheit an? Beängstigend und beglückend zugleich? Tief sog Marielle die frische Morgenluft in ihre Lungen hinein, um sich zu beruhigen. Sie stutzte, als sie die unglückliche Miene ihrer Freundin bemerkte.


»Ach komm doch, Paulette, lächle! Freust du dich denn gar nicht mit mir?


»Doch… schon… « Paulettes Unterlippe zitterte verräterisch.


Für einen Moment wusste Marielle nicht, wie sie reagieren sollte. An diesem verheißungsvollen Morgen verspürte sie nicht die geringste Lust, sich ihre gute Stimmung nehmen zu lassen – auch nicht von ihrer besten und einzigen Freundin. Gleich darauf schämte sie sich für ihr Zögern, denn sie ahnte, was die Gleichaltrige bedrückte.


Beruhigend griff sie nach Paulettes Hand. Wie immer fühlte sich diese rau und schwielig an, was den Unterschied, der zwischen ihnen bestand, auf grobe Weise spürbar machte. Marielle war das einzige Kind des Grafen von Rouen und Paulette war Marielles Magd. Nichts hatten die Mädchen gemeinsam und doch teilten sie beinahe schon ihr ganzes bisheriges Leben miteinander.


»Ach, Paulette, glaubst du denn wirklich, ich gehe ohne dich von hier fort? Du kommst natürlich mit mir, egal wohin.«


»Sie wird es nicht erlauben.«


»Mein Vater hat es mir versprochen. Sie wird es nicht wagen, ihn gegen sich aufzubringen.«


Die Skepsis stand Paulette im Gesicht geschrieben. »Offen vielleicht nicht. Aber sie findet immer Mittel und Wege, um ihren Willen durchzusetzen.«


»Alte Unke!« Verärgert stampfte Marielle mit dem Fuß auf. »Du schaffst es noch, mir die gute Laune zu verderben.« Blitzschnell versetzte sie der Freundin einen Stups gegen die Schulter. »Komm und fang mich«, rief sie und raffte ihren langen Rock mit den Händen hoch. »Eins, zwei, drei, ich fliege.«


»Komm zurück, Marielle, es ist spät. Sie wird toben, wenn du nicht rechtzeitig umgezogen bist.«


»Angsthase!«

In der Tat sah Paulette furchtsam zurück zum Wohnhaus, hinauf zu der schmalen Fensteröffnung, hinter der sie Ghislaine vermutete. Noch waren die Samtvorhänge zugezogen und hingen schwer nach unten, aber im Grunde besagte dies gar nichts. Der böse Blick von Marielles Stiefmutter Ghislaine durchdrang jedes Hindernis wie Butter, davon war Paulette fest überzeugt.

Ein erstickter Schrei.


Erschrocken blickte Paulette in die Richtung, in die Marielle gelaufen war. Von der Freundin war nichts zu sehen. Stattdessen stand dort ein junger Mann, breitbeinig, die Hände in die Hüften gestemmt.


Es geht weiter, hurra!

September 12th, 2008

Seit dem letzten Eintrag sind zwar ein paar Wochen vergangen, aber vergessen habe ich diesen Blog keineswegs. Im Gegenteil, endlich geht es weiter und wie angekündigt, fange ich mit meinem Roman noch mal von vorne an.

Meine Muse – siehe unten ;-) – hat mich zu einem neuen Anfang inspiriert und nach einigem hin und her kann ich diesen hier endlich vorstellen. Ich kann nicht versprechen, dass ich hier nun täglich neue Texte veröffentlichen werde. Aber es geht weiter – bis zum Schlusspunkt des letzten Kapitels.

Viel Vergnügen!

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August 15th, 2008

Hallo an alle,

da bin ich wieder. Hinter mir liegt der schönste Urlaub, den ich seit langem hatte. Schlafen, essen, faul sein – Glück pur.
Einmal nicht irgendwelchen Terminen hinterherhetzen. Einmal nicht für andere strahlen, wenn einem eigentlich nur danach zu Mute ist, sich die Bettdecke über den Kopf zu ziehen. Keine Aufgaben, die unbedingt ganz schnell noch erledigt werden müssen. Stattdessen das Glück, am Strand die Augen zu schließen und die Gedanken wandern zu lassen.

Obwohl ich hervorragend abschalten konnte, haben mich die Gedanken um Marielle stets begleitet. Nächstes Jahr um die Zeit möchte ich zumindest die erste Fassung des Romans fertig haben. Ich bin gefragt worden, ob ich den Roman später auch als Papier – Buch veröffentlichen werde. Mal sehen, ich weiß es noch nicht. Wir werden es erleben.

Danke, übrigens, dass ihr auf meine Muse Fady Maalouf aufgepasst habt. Sein Debütalbum “Blessed” begleitet mich, seitdem es veröffentlicht worden ist. Je nach Stimmung höre ich mir mal die schnellen, mal die langsamen Titel an. Mein absoluter Lieblingstitel aber ist das jazzige “Perfect” mit seinem Refrain, der wie für mich gemacht zu sein scheint:

“Who needs to be perfect, who wants to be perfect
Not I, not I.”

In diesem Sinne grüßt euch,

Corinne

Passt auf meine Muse auf!

July 2nd, 2008

Als ich einmal gefragt worden bin, ob ich mich beim Romanschreiben von einer Muse inspirieren lasse, habe ich erst einmal herzlich gelacht. Ich und eine Muse? *kicher, kicher * Nein danke. Wie soll mir eine betagte Lady der Antike zu neuen Ideen verhelfen? Dafür stehe ich doch viel zu fest mit beiden Beinen in der Neuzeit.

Ach, mittlerweile bin ich um Einiges klüger. Ohne dass ich nämlich wissentlich darum gebeten habe, hat mir das Schicksal zu einem Inspirator verholfen. Ja, Ihr habt richtig gelesen: Meine Muse ist männlich, auf sympathische Art gut aussehend und irgendwie – sexy. Die Stimme meiner Muse ist einzigartig und ungewöhnlich. Mit meiner Muse an meiner Seite gewinne ich neue Blickwinkel auf meine eigene Arbeit. Ich fühle mich bereichert und inspiriert und jeder neue Tag ist für mich zu einem Abenteuer geworden.

Musen sind kostbar und einzigartig, männliche Musen sind zudem noch ausgesprochen selten. Eine Muse will gehegt, gepflegt und behütet werden, damit sie sich nicht ganz schnell wieder abwendet. Deshalb habe ich in den zurückliegenden Tagen und Wochen alles getan, damit sich mein Inspirator wohlfühlt. Ich habe seine erste CD bestellt, für ihn gevotet, wann immer sich dazu die Gelegenheit ergab, sein Album vorbestellt und… und… und…

Nun aber habe ich ein praktisches Problem. Während ich mich in den nächsten Tagen völlig „blessed“ an Sommer, Sonne, Strand und Meer erfreuen werde, müssen bitte andere für mich die Pflege meiner Muse übernehmen.

Kauft also bitte seine CD, die am 4. Juli erscheint, bestellt in Scharen sein Album vor, das Ende Juli auf den Markt kommt, und macht ihm die Komplimente, die er sich tausendfach verdient hat! Schließlich brauche ich seine Künste nach meiner Rückkehr noch mehr als jetzt schon..

Um wen es sich bei meiner Muse handelt?

Um Fady Maalouf natürlich, um wen denn sonst ;-)?


Eins fügt sich zum anderen

June 30th, 2008

Der Postbote brachte heute ein Paket von Amazon, unter anderem enthielt es den “Atlas des Mittelalters”, ein wichtiges Recherchemittel für “Marielle”. Zeit zum Blättern hatte ich leider bis jetzt noch nicht. Seit gestern bin ich mit Wäsche waschen und Koffer packen beschäftigt, der Urlaub steht unmittelbar vor der Tür.

Ich freue mich darauf, ein paar Tage ausspannen zu können. Mein erstes Jahreshalbjahr verlief aufregend, turbulent und ausgesprochen arbeitsintensiv. Neue berufliche Herausforderungen mussten gemeistert werden und jetzt schon kann ich absehen, dass auch die zweite Jahreshälfte noch einige berufliche Überraschungen für mich bereit halten wird. Ich kann ein wenig Faulsein wirklich gut gebrauchen.

Trotzdem werde ich auch am Urlaubsort in Gedanken bei unserer Geschichte sein. Im Reiseführer habe ich eine wundersame Legende entdeckt: “Mehr als 1 Mio. Menschen pilgern alljährlich … zu dem heiligen Haus, in dem der Legende nach Maria geboren wurde und Jesus nach der Rückkehr aus Ägypten gelebt haben soll. Als Nazareth 1294 in islamische Hände fiel, so wird erzählt, hatten vier Engel das Haus an … getragen.”

Es gibt keine Zufälle. Ich werde mir diesen Ort ansehen. Vielleicht finde ich dort ein ein weiteres Puzzleteil von “Marielles Geschichte.”

O weh, ich bin so müde, dass ich gleich vom Stuhl falle. Ich muss ins Bett. Gute Nacht und süße Träume!